Skip to main content

Posts

Showing posts with the label Syrien

Israel und die Golan-Drusen: 50 Jahre Provisorium

Dieser Artikel erschien leicht gekürzt bei Alsharq im Rahmen einer hochinteressanten Serie anlässlich 50 Jahre Sechstagekrieg. Mit den Golanhöhen eroberte Israel 1967 auch fünf drusische [1] Dörfer. Die unterdessen rund 20 000 Golan-Drusen haben die israelische Staatsbürgerschaft trotz erheblichem Druck mehrheitlich nicht angenommen und leben seit 50 Jahren in einem Provisorium zwischen Syrien und Israel. Sie konnten zwar die israelische Annexion nicht verhindern, dafür aber durchsetzen, die israelische Staatsbürgerschaft nicht annehmen zu müssen. In den 50 Jahren unter israelischer Kontrolle waren die Golan-Drusen stets bedacht, den Kontakt nach Syrien aufrecht zu erhalten und gleichzeitig den eigenen Widerstand gegen die Besatzung zu demonstrieren. Der Bürgerkrieg im Mutterland Syrien ändert nun aber die Situation der Golan-Drusen grundlegend. Vor dem gewonnen Sechstagekrieg 1967 hatten die Golan-Drusen nie einen großen Stellenwert in den strategischen Überlegungen de...

Libanon als Modell für Nachkriegs-Syrien?

Der folgende Artikel ist kürzlich bei Shabka erschienen , wurde aber bereits im Februar fertiggestellt und ist deshalb in vielerlei Hinsicht überholt. Meine Argumentation hinsichtlich der libanesischen "Vorbildwirkung" ist aber genauso plausibel oder unplausibel wie vor einigen Monaten. Mit der militärischen Intervention Russlands ist in Syrien eine neue Dynamik entstanden, die dazu geführt hat, dass tatsächlich Chancen für einen Waffenstillstand bestehen. Glaubt man US-Außenminister Kerry , dann standen die Chancen für einen Waffenstillstand überhaupt noch nie so gut wie jetzt und das trotz der vielen Toten durch meist russische Luftangriffe in den letzten Wochen. Euphorie ist keine angebracht, scheitern Waffenstillstände doch in der Regel an ihrer Umsetzung aber der Wille scheint sowohl auf der Seite der USA als auch Russlands vorhanden zu sein. Russland hat auch bereits in diesem Zusammenhang die Bereitschaft demonstriert mäßigend auf Assad einzuwirken. Vorausgesetzt ma...

Angeblicher Hisbollah-Kommandant Samir Quntar: Die Symbolfigur

Quntar (Mitte) posiert mit regimetreuen (Para-)Militärs für ein Erinnerungsfoto  im syrischen Dair ez-Zor Am 19. Dezember 2015 starb Samir Quntar bei einem israelischen Luftangriff im Damaszener Vorort Jaramana. Quntar war eine Symbolfigur – je nach Blickwinkel für den Kampf gegen Israel oder für brutalen palästinensischen Terrorismus. Sein Verhältnis zur Hisbollah und seine Rolle im syrischen Bürgerkrieg waren aber weniger eindeutig als es auf den ersten Blick erscheint.  Samir Quntars Mythos beginnt in den 1970er Jahren während des libanesischen Bürgerkrieges. Eher untypisch für einen Drusen und wohl auch gegen Widerstände in seiner Umgebung schloss er sich als Teenager der Palästinensischen Befreiungsfront (PLF) an und nicht der Progressiven Sozialistischen Partei des legendären Drusenführers Kamal Jumblatt. 1979 war er Teil einer Kommandoaktion im nordisraelischen Nahariya und nahm einen Vater mit seiner vierjährigen Tochter als Geisel. Quntar tötete beide, das Mädc...
Ein Artikel über die aktuelle Situation des orientalischen Christtentums im Allgemeinen und der Situation in der Türkei im Speziellen kommt vom Standard -Kolumnisten Hans Rauscher, der schon öfters sein Interesse an der Materie angedeutet hat. Auch wenn sich ab und an ein paar kleine Unschärfen eingeschlichen haben auf jeden Fall lesenswert, besonders weil schlüssig veranschaulicht wird warum Erdogan von den Christen vorsichtig positiv bewertet wird: Christentum im Nahen Osten: "Ganze Zivilisation wird entwurzelt" von Hans Rauscher, Der Standard
Mein Kommentar über syrische Kirchenvertreter als Propagandisten des Assaad-Regimes ist in überarbeiteter Form auf dem interessanten neuen Internetportal Shabka erschienen: "Syrische Kirchenvertreter im Dienst von Assad" von Tobias Lang
Blick auf das Dorf Hadar von der israelischen Basis auf dem Hermon Ein Team der deutschen Tagesschau hat die israelische Basis auf dem Mount Hermon (Golan Höhen) besucht. Unter anderem wird in dem Beitrag von einem israelischen Offizier die prekäre Lage des drusischen Dorfes Hadar auf der syrischen Seite der Waffenstillstandslinie veranschaulicht. Das Dorf ist eine pro-Regime Enklave in einer von Rebellen kontrollierten Gegend. Viedeoblog: Blick vom Golan auf syrischen Bürgerkrieg

Wenn westliche Konservative pro-Assad Kirchenvertreter hofieren

Um die Gefahr, die Islamisten für die Christen im Nahen Osten darstellen, zu veranschaulichen werden gerne Kirchenvertreter herangezogen. Gegen diese Praxis ist prinzipiell nichts einzuwenden, allerdings sollte man sich immer genau ansehen mit wem man es hier zu tun hat. Im Fall von Syrien stehen Kirchenvertreter, die besonders laut und schrill die Gefahren für Christen anprangern, oftmals in einem Naheverhältnis zum Assad-Regime. Ein prominentes Beispiel ist sicherlich die Nonne Agnes Mariam de la Croix, die ganz offensichtlich Propaganda für das Regime im Ausland betreibt und der schon so mancher Journalist auf den Leim gegangen ist. So kann es leicht passieren, dass sich westliche Konservative auf diese Kirchenvertreter beziehen, ohne freilich zu wissen, welche politische Agenda diese befolgen. Oftmals vertreten diese Geistlichen Positionen hinsichtlich Assad, Hizballah oder auch Israel, die sie eigentlich von selbst als Gesprächspartner ausschließen würden, wie Michael Weiss für ...
Dieses Wochenende ist ein interessantes Interview mit Antoine Audo, Bischof von Aleppo der Chaldäischen (mit Rom unierten) Kirche, bei derstandard.at erschienen. Die Anteil der autochthonen Chaldäer an der christlichen Bevölkerung in Syrien ist eigentlich gering aber durch die vielen irakischen Flüchtlinge seit 2003 hat sich ihre Zahl vervielfacht. Der Bischof tätigt zwei interessante Aussagen: 1. Geht er davon aus, dass unterdessen bereits ein Drittel der Christen Syrien verlassen hat; 2. Benennt er nicht nur die alawitische Minderheitenherrschaft als Problem, sondern neben dem sunnitischen Einfluss aus Saudi Arabien explizit den Schiitischen aus dem Iran. In seiner nüchternen und sicher zutreffenden Analyse, lässt der Bischof, der auch Präsident der syrischen Caritas ist, eine erstaunliche Distanz zum Asad-Regime erkennen. Es bleibt zu hoffen, dass sich sein Standpunkt auch bis zu syrischen Rebellen durchspricht.

Rebellen erobern erneut christliches Dorf Maʿlula

In Syrien haben im Zuge der Kämpfe um das Qalamun-Gebirge Rebellen (u.a. Jabhat an-Nusra) erneut teilweise das christliche (überwiegend griechisch-katholische) Dorf Maʿlula  erobert. Bereits im September (siehe z. B.  hier und hier ) war das Dorf i m Norden des Qalamun-Gebirges  bereits kurz von Rebellen erkämpft worden. Das mediale Echo war damals über die Maßen groß gewesen, tatsächlich sind die Rebellen aber ohne schlimmere Übergriffe gegen die Bevölkerung wieder abgezogen. Der Wallfahrtsort Maʿlula (Grab der Hl. Thekla) mit seinen vielen Klöstern und Kirchen verdankt seine Bekanntheit besonders auch der Tatsache, dass hier das fast ausgestorbene Aramäisch gesprochen wird. Maʿlula stellt aufgrund seiner Prominenz einen Prüfstein für das ohnehin verheerende Image der Rebellen im Allgemeinen hinsichtlich des Umgangs mit der christlichen Minderheit dar und westliche Medien werden mit Sicherheit über etwaige Übergriffe berichten. Ein bedrohtes ...
Update: Hizballah in Qalamun Unterdessen kann die Beteiligung von Hizballah an der Offensive in Qalamun als gesichert angesehen werden. YA LIBNAN : "20 Hezbollah fighters killed in Qalamoun, Syria battles" SPIEGEL ONLINE : "Bürgerkrieg in Syrien: Die Schlacht um die Höhlen von Kalamun"

Offensive von Regierungstruppen und Hizballah im Qalamun-Gebirge

Derzeit ist eine Offensive von syrischen Regierungstruppen im Qalamun-Gebirge im Gange. Mit großer Wahrscheinlichkeit unter  Beteiligung von  Hizballah - handfeste Beweise gibt es aber (noch) nicht.  Das Qalamun-Gebirge liegt nördlich von Damaskus, ist ein Teil des Anti-Libanon und grenzt direkt an die libanesische Biqa ʿ -Ebene.  Nach der Eroberung von Qusair, wäre das ein weiterer massiver Einsatz von  Hizballah  direkt an der libanesischen Grenze.   Al Arabiya  gibt die Zahl der involvierten  Hizballah -Milizionäre mit 15 000 an, was aber stark übertrieben sein dürfte. Bisher wurde die Teilnahme an den Kämpfen   in Qalamun von  Hizballah  nicht o ffiziell eingestanden . Karte, die auf pro-Asad Seiten zirkuliert Der Ort Qara befindet im Zentrum der Gefechte und wurde bereits von der syrischen Luftwaffe bombardiert. Das Regime bietet auch deshalb große Ressourcen auf, da hier  die strategisch wichtige Auto...